Skizze einer liberalen Informationsgesellschaft

Meinen Programmideen für eine liberale digitale Partei fehlt der Gesellschaftsentwurf, die Antwort auf die Frage, wo die Reise hingehen soll, wie die Gesellschaft aussehen soll, die eine solche Partei anstrebt. Meine Gedanken dazu will ich im Folgenden niederschreiben.

Internet und mobile Kommunikation schaffen im Prinzip die Möglichkeit, dass alle Bürger sich umfassend über ihre Belange, sei es über politische Vorhaben oder über ganz private Sorgen, etwa medizinische Probleme, informieren können, und dass sie selbst in die Entscheidungsfindungsprozesse eingreifen können. Aber dafür, das das Wirklichkeit wird und nicht nur Illusion oder harmloses Spiel bleibt, ist noch viel zu tun.

Eine liberale Partei der Informationsgesellschaft will, dass der Grundgedanke der Demokratie, in der mündige aufgeklärte Bürger ihre Angelegenheiten selbst regeln können, auf allen Ebenen zur Wirklichkeit wird. Dazu gehört aber nicht nur allgemeine Vernetzung, auch wenn das ein wichtiger Teil ist. Dazu gehört, dass Systeme geschaffen werden, die Beteiligung ermöglichen. Dazu gehört, dass wir uns alle selbst befähigen, Informationen kritisch zu beurteilen, Fakten von Fakes zu unterscheiden, subjektive Meinungen von gesicherten Erkenntnissen und Einzelstandpunkte von Konsens. Dazu gehört auch, dass wir lernen, einen Diskurs zu führen, der jedem die Möglichkeit echter Beteiligung gibt und der zu Ergebnissen führt.

Befähigung jedes Einzelnen zur Benutzung des eigenen Verstandes, das ist das Ziel. Schaffung der Möglichkeit, dass sich jeder seinen eigenen Platz sucht. Rundumversorgung oder Entlastung des Einzelnen von der Verantwortung für sich selbst und für seine Mitmenschen ist nicht das Ziel. Im Gegenteil. Die Informationsgesellschaft gibt neue Chancen für jeden, sich um sich selbst zu kümmern und um seine Nächsten. Das soll gestärkt werden.

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3 Antworten auf Skizze einer liberalen Informationsgesellschaft

  1. Das Hauptproblem scheint mir zu sein, dass eine Mehrheit der Bevölkerung in diesem Land daran nicht das geringste Interesse hat. Nur weil

  2. … 28 von 80 Millionen bei Facebook ein Profil haben, heisst das ja noch nicht, dass die alle in der Informationsgesellschaft angekommen sind.

    “Dazu gehört, dass Systeme geschaffen werden, die Beteiligung ermöglichen. Dazu gehört, dass wir uns alle selbst befähigen, Informationen kritisch zu beurteilen, Fakten von Fakes zu unterscheiden, subjektive Meinungen von gesicherten Erkenntnissen und Einzelstandpunkte von Konsens.”

    Wollen das alle? Oder wenigstens eine Mehrheit? Sind alle in der Lage sich dessen zu bedienen? Ich befürchte nein. Das liefe auf eine Herrschaft der Wissenden oder Wissen wollenden hinaus. Wären genauso eine Missgeburt wie Platons Gelehrtenrepublik.

    Fakt scheint mir vielmehr: Es gibt Menschen die wollen herrschen. Es gibt Menschen die wollen beherrscht werden. Es gibt Menschen, die das Beherrschtsein ablehnen, aber selbst die Verantwortung des Herrschens nicht übernehmen wollen. Und es gibt Menschen, die alles ablehnen, was ihren persönlichen Befindlichkeiten widerspricht; sich also im Kern als asoziale Wesen gebärden. Diejenigen die ein von der Vernunft bestimmtes Zusammenleben anstreben sind eine elitäre kleine Minderheit.

  3. Jörg Friedrich sagt:

    Ich stimme in der Diagnose völlig zu, halte es aber andererseits als Voraussetzung für eine solche Partei gar nicht für notwendig, dass alle Menschen wissen wollen und politisch aktiv werden wollen. Das war noch nie und nirgends so und selbst in revolutionären Zeiten war immer nur ein kleiner Teil der Bevölkerung engagiert. Eine Macht der aktiven kleinen Minderheit über die schweigende Mehrheit hat es immer gegeben, auch eine Macht der Wissenden über die unwissenden.
    Aber das ändert ja nichts daran, dass wir heute erstmals die Möglichkeit Haben, dass die die Wissen wollen, auch wissen können, und andererseits neue Gefahren, Durch geschicktes Lügen die Menschen in Unwissenheit zu halten. Die Kompetenzen fürs Wissenkönnen und politisch Handeln können zu Stärken und gleichzeitig möglichst vielen die Option dazu zu eröffnen, das wäre doch schon was.

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