Warum die politische Aktion Leiblichkeit braucht

Bastian Greshake hat bei Goodreads einen Review zur “Kritik der vernetzten Vernunft” geschrieben, in dem er u.a. meinen Standpunkt, dass politische Aktion die Leiblichkeit braucht, dass Politik aus dem Netz auf die Straße muss, kritisiert. Er schreibt:

Über das Netz lassen sich diese Leute genauso (und eventuell sogar noch besser) erreichen wie mit einer Demonstration auf der Straße. Auch auf der Straße wird man mit seinem Demonstrationszug vermutlich kaum jemanden überzeugen der vorher eine gegenteilige Meinung hatte. Aber das ist ja auch nicht das Hauptziel. Sondern man will vor allem die Leute erreichen die sich darüber vorher noch keine Gedanken gemacht haben, nie von einem Thema gehört haben oder schlicht unentschlossen sind.

Solange es der Demonstrationszug allerdings nicht in die 20 Uhr-Nachrichten schafft erreicht man damit im besten Fall die Leser der Lokalzeitungen und die Passanten die an der Demonstration vorbeikommen. Die Reichweite des Webs auf der anderen Seite umgeht diese Beschränkung der physischen Welt. Auch wenn nicht jedes Blog von jedem Web-Nutzer gelesen wird, so hat es immerhin die theoretische Möglichkeit (analog zum 20 Uhr-Nachrichtenbeitrag). Und gleichzeitig erreicht es die interessierten Leute die sich versuchen über Suchmaschinen & Co eine Meinung/Informationen zu einem Thema zu schaffen. Also genau die Leute an die man sich richten will.

Das ist natürlich richtig, aber das ist alles noch keine politische Aktion. Natürlich kannst du auch in Netzen andere Leute erreichen – aber daraus folgt noch keine politische Aktion. Auch die politischen Essayisten der 1920er Jahre blieben der politischen Aktion fern, sie hatten ihre Leser und die bestätigten vielleicht in Leserbriefen die Meinung der Kolumnisten. Aber davon passiert noch nichts, wenn was passieren soll, dann muss man raus aus den Netzen, entweder in die Institutionen oder auf die Straßen, im extremen Fall auf die Barrikaden, daran ändert das Internet nichts. Es täuscht aber was anderes vor. Wenn wir jetzt z.B. alle @freepussyriot bei Twitter folgen und fleißig retweeten, dann nützt das den Mädchen in Moskau genau gar nichts, aber wir fühlen uns natürlich ganz gut. Nützen würde vielleicht eine Mahnwache oder eine Blockade vor der russischen Botschaft. Die kann man im Internet auch gut organisieren – aber die darf sich nicht auf ein soziales Netzwerk beschränken.

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Eine Antwort auf Warum die politische Aktion Leiblichkeit braucht

  1. Bran sagt:

    re Frauen- oder Sonstwas-Quote, derFreitag

    wie kommt das? Sie sind doch Unternehmer und Philosoph. warum halten ausgerechnet Sie nichts von Zielvorgaben, management by objectives, oder sind diese Tools jetzt schon vergessen? ganz ehrlich: wenn jetzt auch noch Unternehmer auf diese Tools verzichten, dann ist das als ob Schuster nicht mehr mit Leder arbeiten wollen. völlig absurd. und zum Haareraufen.
    natürlich gibt es für alles – auch die Arbeit mit Zielvorgaben – ein Ende der Fahnenstange. aber ganz darauf verzichten??

    vielleicht gründen Sie Ihre Auffassung auf eine Idee, einen konzeptionellen Ansatz, der mir unbekannt ist. dann bin ich gerne bereit dazuzulernen und wäre dankbar für einen Literaturhinweis.

    guten Tag noch!

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